Für Industrieunternehmen entscheidet sich der Wert des neuen Anlaufs zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU im täglichen Betrieb. Kürzere Grenzaufenthalte, verlässliche digitale Verfahren und ausreichend flexible Einsatzmöglichkeiten für Berufskraftfahrer sind wichtiger als politische Absichtserklärungen.
Nach Angaben der IRU fehlen in Europa schätzungsweise 500.000 Lkw-Fahrer. Auch britische Transportunternehmen haben Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal zu gewinnen und zu halten. Einschränkungen bei grenzüberschreitenden Einsätzen verschärfen diesen Engpass zusätzlich.
Grenztechnologie mit industrieller Wirkung
Das EU-Einreise-/Ausreisesystem und die weitere Digitalisierung von Zollverfahren sollen Kontrollen effizienter machen. Für Lieferketten zählt jedoch die Umsetzung an den Übergängen. Wartezeiten verringern die Fahrzeugauslastung, verschieben Produktions- und Lieferpläne und erhöhen die Kosten.
Neben digitalen Lösungen braucht es deshalb weniger Bürokratie und besser abgestimmte Prozesse. Das geplante sanitäre und phytosanitäre Abkommen zwischen Großbritannien und der EU ab 2027 kann Erleichterungen bringen. Für kleinere Exporteure bleiben komplizierte Nachweise und unvorhersehbare Verzögerungen dennoch ein Risiko.
Mobilität als Teil der Resilienz
Die Schengen-Regel, die Aufenthalte auf 90 Tage innerhalb von 180 Tagen begrenzt, passt nur unzureichend zu Fahrern, die regelmäßig gewerbliche Transporte durchführen. Der Road Haulage Association fordert deshalb eine gegenseitige Regelung, einschließlich einer angemessenen Ausnahme für Berufskraftfahrer.
Damit würde der Fahrermangel nicht verschwinden. Unternehmen könnten vorhandene Qualifikationen aber besser einsetzen und internationale Kapazitäten zuverlässiger planen. Auch Reisebusse sollten berücksichtigt werden, da sie Tourismus, Bildung und kulturellen Austausch ermöglichen.
Mehr Planungssicherheit würde Investitionen in Flotten, digitale Systeme, Dekarbonisierung und Wachstum erleichtern. Für die Industrie ist ein funktionierender Grenzprozess daher ein Wettbewerbs- und kein reines Verkehrsthema.






