Logistik setzt auf funktionierende Systeme statt Technikshow

Why logistics technology must solve problems before it dazzles

Die Logistik gilt häufig als zurückhaltend gegenüber neuen Technologien. In einem eng gekoppelten Netzwerk ist diese Zurückhaltung jedoch eher eine Frage der Risikobewertung. Schon ein kleiner Daten- oder Systemfehler kann Lager, Transport und Zustellung gleichzeitig beeinflussen.

Digitale Lösungen steuern heute nahezu jeden Abschnitt der Logistik – von Lagerprozessen und Tourenplanung bis zur Kundenkommunikation. Schwierigkeiten entstehen oft an den Schnittstellen. Werden Informationen nicht korrekt übertragen, müssen Beschäftigte auf Tabellen, E-Mails und Telefonate ausweichen, während sich Verzögerungen im Netzwerk fortsetzen.

Why logistics technology must solve problems before it dazzles

Integration schlägt Plattformwechsel

Eine Untersuchung für den Bericht Differentiating with Custom Software in Supply Chain and Logistics macht diese Priorität sichtbar. Befragt wurden 150 leitende Technologieverantwortliche aus Logistik und Supply Chain. 43 % nannten eine bessere Verbindung zu vorhandenen Systemen als wichtigen Grund für Individualsoftware; Innovation oder Differenzierung stand bei 33 % im Vordergrund.

Viele Unternehmen arbeiten mit einer gewachsenen IT-Landschaft aus Lagerverwaltung, Transportsoftware, ERP und Kundenanwendungen. Diese Struktur entstand häufig durch Expansion, Übernahmen und mehrere Beschaffungsentscheidungen. Ein kompletter Austausch wäre meist unverhältnismäßig. Zweckgerichtete Software kann stattdessen Datenflüsse verbinden, Medienbrüche reduzieren und manuelle Korrekturen vermeiden. Der Technologieanbieter NashTech verweist in diesem Zusammenhang auf den operativen Nutzen.

Der Fortschritt ist dabei nicht immer spektakulär. Ein sauberer Übergang zwischen Lager und Transport, weniger Ausnahmefälle oder konsistentere Daten können in einem hohen Volumen erhebliche Kosten- und Resilienzvorteile bringen.

KI braucht eine belastbare Basis

Der aktuelle KI-Hype stellt diesen pragmatischen Ansatz auf die Probe. 71 % der befragten Technologieführer erwarten, dass eine stärkere KI-Nutzung die Entwicklung von Individualsoftware deutlich verändern wird. Zugleich hatten 46 % Schwierigkeiten bei der Anbindung fortgeschrittener KI an ältere Systeme; 44 % melden fehlende interne Fachkompetenz.

Unternehmen sollten deshalb zuerst feststellen, an welcher Stelle Zeit, Genauigkeit oder Steuerbarkeit verloren gehen. Erst danach lässt sich entscheiden, ob KI, Integration oder eine einfachere Prozessänderung den größten Nutzen verspricht. In der Logistik gewinnt nicht zwingend der schnellste Innovator, sondern derjenige mit der besseren Auswahl.

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