Komplexitätsbestimmende Herausforderung in der Fahrzeuglogistik

Fahrzeuglogistik tritt in eine neue Phase ein, die weniger durch Wachstum allein geprägt ist, sondern vielmehr durch die Herausforderung, die zunehmende operative Komplexität zu bewältigen. Dies ist die zentrale Erkenntnis des INFORM Trend Reports 2026: IT in der Fahrzeuglogistik, basierend auf einer Umfrage unter 111 Branchenexperten.

Während 79 % der Befragten erwarten, dass die Transportvolumina (statt der Gesamtproduktion) in den nächsten fünf Jahren steigen werden, berichten gleichzeitig eine große Mehrheit von kontinuierlich steigendem operativem Druck. 84 % identifizieren steigende Kosten als die dominierende Herausforderung, gefolgt von wachsenden Effizienzanforderungen (68 %) und schwankenden Volumina (52 %).

Kostenpressure bleibt die dominierende operative Herausforderung und hat sich im Vergleich zu früheren Umfragen verschärft. Gleichzeitig beeinträchtigen begrenzte Transparenz und zunehmende Netzwerkkomplexität weiterhin die Planungsqualität und die Zuverlässigkeit der Ausführung. In vielen Organisationen führt fragmentierte Information noch immer zu reaktiven statt proaktiven Entscheidungen.

Managementzusammenfassung: Wachstum setzt sich fort – Komplexität beschleunigt

Die Studie hebt eine strukturelle Verschiebung in der Fahrzeuglogistik hervor:
• Die meisten Befragten erwarten ein Wachstum der Transportvolumina.
• Der operative Druck nimmt in den Netzwerken zu.
• Die Komplexität wächst schneller als die Volumina.
Infolgedessen entwickelt sich die Fahrzeuglogistik zu einer Entscheidungsherausforderung unter Kosten- und Koordinationsbeschränkungen. Begrenzte Transparenz bleibt eine zentrale Barriere für effiziente Abläufe:
• 76 % berichten von unzureichender Sichtbarkeit von Lieferzeiten und ETA.
• 68 % sehen Lücken in der Kapazitäts-Transparenz.
• 66 % heben fehlende Sichtbarkeit des Transportstatus hervor.

Gleichzeitig erkennen Unternehmen eine wachsende Kluft zwischen operativen Anforderungen und bestehenden IT-Fähigkeiten. Während 95 % eine Verbesserung der operativen Effizienz durch IT-Systeme erwarten, kämpfen viele Organisationen noch immer mit fragmentierten Daten, begrenzter Integration und unzureichender Entscheidungsunterstützung.

Von Sichtbarkeit zu Entscheidungsintelligenz

Fahrzeuglogistiknetzwerke umfassen mehrere unabhängige Akteure — von OEMs bis zu Spediteuren, Terminals, Häfen und Händlern — die jeweils mit eigenen Systemen und Planungsprozessen arbeiten. Mit zunehmender Vernetzung der Netzwerke wird die Koordination deutlich komplexer. Die Ergebnisse deuten auf eine klare Prioritätenverschiebung hin: „Transparenz allein ist nicht das Endziel. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, operative Daten in bessere Entscheidungen im Logistiknetzwerk umzuwandeln“, sagte Dennis Feddern, Senior Vice President Vehicle Logistics bei INFORM.

Künstliche Intelligenz (KI) wird allgemein erwartet, eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung dieser Herausforderungen zu spielen. 94 % der Befragten glauben, dass KI und maschinelles Lernen die Branche erheblich beeinflussen werden. Es wird erwartet, dass sie die Bewertung komplexer Szenarien unterstützt und die Entscheidungsfindung verbessert, wobei ihre Hauptrolle darin gesehen wird, menschliche Expertise zu ergänzen, anstatt sie zu ersetzen. Die Studie zeigt jedoch auch, dass unmittelbare Prioritäten grundsätzlicher bleiben: bessere Systemintegration, Echtzeit-Sichtbarkeit und flexible Planungskapazitäten.

Ein langfristiger Strukturtrend

Die INFORM-Studienreihe (2013–2026) zeigt ein konsistentes Muster: Die Transportvolumina im Fahrzeugbereich werden voraussichtlich wachsen, während die operativen Umfelder komplexer und volatiler werden. Hartmut Haubrich, ebenfalls Senior Vice President Vehicle Logistics bei INFORM, fügte hinzu:

„Während viele Unternehmen noch Wachstum erwarten, zeigt sich auf dem Markt derzeit ein differenzierteres Bild über die Regionen hinweg. Unabhängig von kurzfristigen Entwicklungen bleibt die Notwendigkeit, Planungsfähigkeiten und Entscheidungsprozesse zu verbessern, unverändert.“

Die Studie basiert auf einer Umfrage, die zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 durchgeführt wurde, mit 111 Fachleuten und Managern aus der globalen Fahrzeuglogistikbranche. Teilnehmer sind Vertreter aus: Automobilherstellern (37 %), Logistikdienstleistern (46 %), sowie Spediteuren, Terminalbetreibern und Hafenbehörden.

Die Mehrheit der Befragten ist in Europa ansässig (62 %), gefolgt von Nordamerika (18 %), mit weiteren Teilnehmern aus Südamerika, Asien und Afrika. Die meisten teilnehmenden Unternehmen sind in der Fertigfahrzeuglogistik tätig, wobei 98 % Neufahrzeuge, 50 % Gebrauchtfahrzeuge und 30 % im Schwer- und Spezialtransport abwickeln. Die Umfrage wurde anonym mittels eines strukturierten Online-Fragebogens mit 25 Fragen durchgeführt.

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