Wiederverwendung von Gurten beeinträchtigt die Transportsicherheit

Mosca GmbH, ein Hersteller von Bändern, und zwölf weitere europäische Unternehmen im „Project Alliance Strapping“ (PAS) warnen vor potenziellen Risiken bei der Wiederverwendung von Bändern. Die Wiederverwendung kann zu erheblichen Materialschwächen führen, insbesondere an Schweißnähten, was die Transportsicherheit auf europäischen Straßen direkt beeinträchtigt. Dies wurde durch aktuelle unabhängige Studien bestätigt. Im Zuge der neuen EU-Verordnung für Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) fordert die Allianz eine Ausnahme für Bänder, um nachhaltige Recyclingstrategien zu fördern, ohne die Transportsicherheit zu gefährden.

Die EU-Kommission diskutiert derzeit eine potenzielle Ausnahme für Bänder im Rahmen eines delegierten Rechtsakts nach der PPWR, die im Februar in Kraft trat. Ziel der PPWR ist es, Verpackungsabfälle zu reduzieren und die Kreislaufwirtschaft durch Recycling zu fördern. Sie beinhaltet auch verbindliche Wiederverwendungsquoten für Bänder. Als Reaktion haben Mosca und die Bänder-Projektallianz ein umfassendes, unabhängiges Positionspapier bei der EU-Kommission eingereicht, das detaillierte Studienergebnisse enthält. „Wir unterstützen die Ziele der PPWR, aber die Sicherheit der transportierten Güter und die Stabilität der Lieferketten müssen gewährleistet sein. Das ist bei Mehrfachverwendung nicht der Fall“, erklärt Dr. Martin Bussman, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Bänder-Projektallianz und Leiter Materialinnovation bei Mosca. „Das Positionspapier bietet eine verlässliche, sachliche Grundlage, die die EU-Kommission unbedingt in die Ausnahmeentscheidung einbeziehen sollte.“

Die PAS ist ein Verband von 13 führenden europäischen Unternehmen der Bänderindustrie, darunter Mosca, Teufelberger, Fromm, Sekisui, Messersi und andere.

Technische Studien belegen Sicherheitsrisiken bei Wiederverwendung und Mehrfachverwendung

Unabhängige technische Tests, durchgeführt vom Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Materialien und Systemen IMWS am Mosca Tech Center in Waldbrunn, bilden die wissenschaftliche Grundlage für diese Anforderung. Der Fokus lag auf mechanischen und thermo-mechanischen Prüfungen nach internationalen Normen. Dazu gehörten der Horizontalzugtest nach der EUMOS 40509 Norm, der ISTA 1E Neigungs- und Vibrations-Test sowie Zugversuche an verschiedenen Bandbereichen, insbesondere an den kritischen Schweißnähten.

Die Ergebnisse sind alarmierend: Nach nur einer Verwendung liegen die Schweißnähte bei Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET) Bändern im Durchschnitt bei 47 bis 60 Prozent ihrer Bruchfestigkeit. Bei wiederholter Nutzung sinkt die Zugfestigkeit von PP-Bändern um bis zu 34 Prozent. Zusätzliche thermische Belastungen durch Temperaturschwankungen zwischen 40°C und -30°C schwächen sie weiter. Dies beeinträchtigt die Integrität des Materials während der praktischen Anwendung zusätzlich. Besonders problematisch ist, dass solche Belastungen unter realen Transport- und Lagerbedingungen nicht dokumentiert werden können.

„Diese Daten verdeutlichen, dass Wiederverwendung erhebliche Sicherheitsrisiken für Güter und Personen darstellt“, erklärt Bussmann. Die Projektallianz befürwortet daher eine pragmatische regulatorische Lösung. Statt auf potenziell gefährliche Wiederverwendung zu setzen, sollte die Verwendung hochwertiger post-consumer-Rezyklate gestärkt werden, und Bänder sollten von den allgemeinen Wiederverwendungsquoten der PPWR-Regelung ausgenommen werden. Nur so kann dauerhaft sichere, ressourcenschonende Transportverpackung gewährleistet werden. „Außerdem gilt: Je häufiger Transportverpackungen wiederverwendet werden, desto öfter müssen sie geprüft und gewartet werden. Das ist technisch nicht machbar oder wirtschaftlich sinnvoll.“

Wiederverwendbare Lösungen oft weniger nachhaltig als erwartet

Aus ökologischer Sicht ist pauschale Wiederverwendung ebenfalls keine praktikable Lösung. Eine zweite Studie zeigt deutlich die Grenzen aktueller wiederverwendbarer Bänder-Systeme auf. Die Studie analysierte Standardalternativen auf dem Markt, wie Netzboxen mit Bändern, Spannbänder mit Planen und Bänder mit Spannklemmen. Alle Alternativen wurden hinsichtlich Sicherheit, Wiederverwendbarkeit, Umweltbelastung und Wirtschaftlichkeit verglichen.

Technisch zeigten die Alternativen erhebliche Schwächen. Bänder mit Klemmen, als die nächstgelegene Alternative zu Einweg-Bändern, verloren nach nur zwei Zyklen in der Wiederverwendung deutlich an Zugfestigkeit und Elastizität. Diese Eigenschaften sind entscheidend für die Ladungssicherung und Transportsicherheit. Spannbänder mit Planen erreichen je nach Nutzung 50 bis 150 Zyklen, sind aber sehr anfällig für UV-Strahlung und verschleißen schnell bei falscher Handhabung. Netzboxen mit Spannbändern halten 200 bis 300 Zyklen aus.

Allerdings sind sie schwer und unhandlich im Umgang. Beide Aspekte machen sie für wiederkehrende Anwendungen ungeeignet. Zudem erfordern sie umfangreiche Wartung und Dokumentation jeder Wiederverwendung.
Außerdem muss die Rückführung der wiederverwendbaren Komponenten oft über weite Strecken innerhalb Europas erfolgen, was erhebliche logistische Kosten oder lokale Lagerung bedeutet. Dies umfasst zusätzliche Transportwege und führt zu erhöhten Treibhausgasemissionen, wie CO₂-Emissionen. Zusätzlich entstehen höhere Lager- und Personalkosten sowie der Bedarf an Ersatzteilen bei Verlust oder Defekt. In heterogenen Lieferketten mit wechselnden Kunden ist die Einrichtung eines funktionierenden wiederverwendbaren Systems nahezu unmöglich. „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass der Aufwand in keinem Verhältnis zu den erzielten Vorteilen steht“, erklärt Bussmann.

Einweg-Band ist oft nachhaltiger als Mehrweg

Eine Lebenszyklusanalyse zeigt ebenfalls, dass Einweg-Bänder in vielen Fällen eine bessere CO₂-Bilanz aufweisen als wiederverwendbare Alternativen, obwohl sie nur einmal verwendet werden. Ihr geringer Materialverbrauch, das geringe Gewicht und die hohe Recyclingfähigkeit machen Bänder zu einem umweltfreundlichen Verpackungsmaterial, insbesondere wenn sie aus post-consumer-Rezyklat hergestellt sind.

„Es ist entscheidend, diese Fakten zu berücksichtigen, wenn wir über ökologische Verantwortung sprechen“, fuhr Bussmann fort. „Token-Politik hilft nicht. Wir brauchen Lösungen, die praktikabel, sicher und nachweislich nachhaltig sind.“

Der PAS wird seine Arbeit für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft fortsetzen. Der nächste Schritt wird die verstärkte Verwendung von post-consumer-Rezyklaten in Bändern sein. Die Allianz arbeitet daran, Materialkreisläufe zu schließen und den Ressourcenverbrauch, wie Energie und Kunststoffe, deutlich zu reduzieren. „Der PAS steht für praktische Lösungen, die Sicherheit und Nachhaltigkeit verbinden“, sagt Bussmann. „Wir werden auch in Zukunft mit unserer Expertise dazu beitragen – im Dialog mit Politik, Industrie und Gesellschaft. Nur ein evidenzbasierter Ansatz ermöglicht es uns, die wirklich nachhaltigen Verpackungslösungen der Zukunft zu gestalten.“

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