Warum das vollautomatisierte Lager noch nicht Realität ist
Robotik entwickelt sich in der Lagerlogistik schnell weiter. Robotergestützte Kommissionierung, autonome mobile Roboter (AMR) und automatisierte Paketprozesse übernehmen zunehmend Aufgaben in Verteilzentren. Der nahezu menschenleere Betrieb bleibt jedoch eine anspruchsvolle Zielsetzung.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur, ob ein Roboter einen standardisierten Vorgang ausführen kann. Schwieriger wird es, wenn ein Artikel, ein beschädigtes Paket oder ein Auftrag nicht in die bekannten Abläufe passt. Volker Sadowski von der BEUMER Group macht deutlich, dass der Umgang mit solchen Ausnahmefällen über die Praxistauglichkeit eines Systems entscheiden kann.
Flexibilität wird zum Kernkriterium
Für Industrieunternehmen bedeutet das: Bei einer Automatisierungsentscheidung zählen nicht allein Geschwindigkeit und Durchsatz. Ebenso wichtig sind die Reaktion auf wechselnde Sortimente, schwankende Nachfrage und unvorhergesehene Störungen. Fest installierte Anlagen können eine hohe Leistung bieten, legen Kapazität und Layout aber häufig langfristig fest.
Mobile Robotik ermöglicht einen anpassungsfähigeren Ansatz. AMR lassen sich je nach Auslastung einsetzen und können veränderte Arbeitsabläufe unterstützen. Damit können Unternehmen schrittweise wachsen, ohne sich frühzeitig auf eine starre Kapazität festzulegen. Die Technologie ersetzt allerdings weder ein leistungsfähiges Leitsystem noch klare Prozesse für Aufgaben, die der Roboter nicht selbst lösen kann.
Die letzten Prozent kosten am meisten
Das Konzept des „Dark Warehouse“ verdeutlicht die Grenze der heutigen Lösungen. Ein hoher Automatisierungsgrad ist technisch bereits erreichbar. Die letzten Prozent sind jedoch besonders schwer und teuer, weil sie unregelmäßige Waren, komplexe Auswahlentscheidungen oder Ausnahmen betreffen, die Menschen mit wenig Aufwand beurteilen.
Weitere Impulse könnten humanoide Roboter und automatisierte Lkw-Entladung liefern. Beide Anwendungen werden als mögliche Bestandteile künftiger Logistik diskutiert, darunter auch innerhalb der nächsten fünf Jahre. Ein vollständig menschenfreies Lager ist dennoch nicht automatisch der nächste Schritt. Wahrscheinlicher ist zunächst ein Zusammenspiel aus Robotern, digitaler Steuerung und Mitarbeitern für nicht standardisierbare Vorgänge.





