Software macht Gabelstapler nachrüstbar für neue Anforderungen
Wenn sich Materialflüsse im Betrieb verändern, muss ein Gabelstapler künftig nicht zwangsläufig mechanisch umgebaut oder ersetzt werden. Linde Material Handling entwickelt einen Ansatz, bei dem mehr kundenspezifische Funktionen digital umgesetzt und später im Einsatz angepasst werden können.
Unter dem Namen Customized Options bündelt das Unternehmen solche Anpassungen. Mehr als ein Drittel der ausgelieferten Stapler wird nach Angaben von Linde mit mindestens einer dieser Optionen ausgestattet. Die aktuelle elektrische und elektronische Fahrzeugarchitektur ist von Beginn an mit einem digitalen Zwilling verbunden.
Neue Funktionen während der Nutzungsdauer
Über die digitale Plattform lassen sich Funktionen per Funk aufspielen und Fahrzeugparameter an betriebliche Bedingungen anpassen. Damit kann ein Fahrzeug auf veränderte Abläufe reagieren, ohne dass für jede neue Anforderung sofort eine Neuanschaffung erforderlich wird.
Eine Anwendung senkt beispielsweise automatisch die Radiolautstärke beim Rückwärtsfahren. Eine andere reduziert die Geschwindigkeit auf 2 km/h, wenn ein festgelegtes Lastgewicht überschritten wird oder die Gabeln eine bestimmte Höhe übersteigen. Eine Rundumleuchte am Fahrerschutzdach kann anzeigen, ob der Sicherheitsgurt geschlossen ist.
Stefan Prokosch, Senior Vice President Customized Solutions bei Linde MH, verweist darauf, dass sich künftige Anforderungen an den innerbetrieblichen Materialfluss nicht vollständig vorhersagen lassen. Eine anpassbare Fahrzeugplattform soll diese Unsicherheit abfedern.
Mechanische Sonderlösungen bleiben relevant
Die Digitalisierung ersetzt die klassische Individualisierung nicht. Zu den physischen Lösungen zählen Edelstahl-Hubwagen für die Lebensmittelproduktion, besondere Bedienelemente für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, Sondergabeln für flache Möbelpaletten und hitzebeständige Holzjoysticks für Gießereien. Für schwere Papierrollen wurde außerdem ein spezieller Lastaufnehmer in Form einer „Pinocchio-Nase“ eingesetzt.
Ein globales interdisziplinäres Team entwickelt und implementiert die Optionen. Ein grafischer Editor soll die Erstellung digitaler Funktionen und die Übertragung von Parameterdateien auf einzelne Fahrzeuge beschleunigen. Für Betreiber entsteht so eine flexiblere Flotte, deren Wert länger erhalten bleiben kann, während Lager, Automatisierung und Produktionsanforderungen weiterentwickelt werden.





