Optimierte Produktionslogistik
Um die zunehmende Komplexität der internen Materialflüsse für Mähdrescher, Futtererntemaschinen und andere landwirtschaftliche Geräte zu beherrschen, hat CLAAS auf die neueste Version seines intelligenten Transportsteuerungssystems aufgerüstet.
Es ist der Traum vieler Kinder, die auf dem Land aufwachsen, eines Tages Getreide mit einem Mähdrescher zu ernten und aus erster Hand die Kraft dieser riesigen landwirtschaftlichen Maschinen zu erleben. „Die Begeisterung für unsere Technologie hat natürlich viele Mitarbeiter zu CLAAS gebracht. Es macht Spaß, unsere eigenen Produkte bei der Arbeit auf dem Feld zu sehen“, reflektiert Andreas Lonnemann, Projektingenieur für Produktionslogistik bei CLAAS. Verantwortlich für die interne Transportlogistik begleitete Lonnemann das Upgrade-Projekt des Transportsteuerungssystems ‚SYNCROTESS‘ des in Aachen ansässigen Optimierungsspezialisten INFORM.
Effizienter Materialfluss
CLAAS fertigt Mähdrescher, selbstfahrende Futtererntemaschinen und Systemtraktoren in seinem Hauptwerk in Harsewinkel, Deutschland. Bis heute hat das Unternehmen mehr als 400.000 Mähdrescher verkauft. Für die Montage der Maschinen erfolgen täglich durchschnittlich 8.200 interne Transporte. Diese bringen das benötigte Material, vorgefertigte Komponenten oder Hilfsstoffe an den richtigen Ort in der Montagehalle. Dieser interne Materialfluss, der von Gabelstaplern, Traktoren und Zugmaschinen durchgeführt wird, wird seit 2006 durch das Zusatzsystem gesteuert und optimiert.

„Das Aufgeben von Transportaufträgen mit Zetteln, wie es früher der Fall war, ist bei diesem Auftragsvolumen nicht mehr vorstellbar“, erklärt Lonnemann. „Wir sind bereits zwei Schritte voraus, und für eine effiziente Produktionslogistik brauchen wir vor allem Optimierung durch intelligente Algorithmen wie die von SYNCROTESS.“ Das Transportsteuerungssystem verwaltet und optimiert zentral alle logistischen Prozesse im Werk mithilfe mathematischer Optimierungsmodelle. Aus der Vogelperspektive analysiert das System alle vom ERP-System erteilten oder manuell eingegebenen Transportaufträge und berechnet unter Berücksichtigung zahlreicher Einschränkungen und Parameter zeit- und routenoptimierte Wege. Das Ergebnis: weniger Leerfahrten, termingerechte Lieferungen an die Montage und maximale Auslastung der verfügbaren Ressourcen.
Höhere Nachfrage, Weniger Zeit
Im Jahr 2020 hat CLAAS das System im Rahmen eines standortspezifischen Modernisierungsprojekts auf die neueste Version aktualisiert. Die erweiterten Funktionen begünstigen die Bewältigung zunehmender Komplexität: Die Zusammenlegung von zwei Produktionslinien zu einer zentralen, optimierten und digitalisierten Linie erhöhte das Volumen der internen Transporte, so Lonnemann. „Wir benötigen jetzt eine präzisere Lieferung, oft mit kleineren Materialmengen.“ Außerdem werden landwirtschaftliche Maschinen größer, komplexer und individueller, was die Teilevielfalt erhöht. Allerdings dürfen bestimmte Transporte nicht länger als 20 Minuten dauern, insbesondere bei Montagen oder beauftragten Gütern, die in der richtigen Reihenfolge innerhalb der Zykluszeit der Montagelinie benötigt werden.
Um die Flexibilität weiter zu erhöhen, treibt CLAAS auch den Wechsel von Gabelstaplern zu Zugmaschinen voran. „Wenn Materialien auf Rollen platziert werden, können wir schneller arbeiten und gleichzeitig das Risiko von Unfällen im Werk verringern“, ergänzt Lonnemann. Die Routenplanung für Zugmaschinen bringt jedoch spezielle Herausforderungen mit sich, da Ladeportale flexibel auf der linken oder rechten Seite des Fahrzeugs positioniert sein können. „Aus Effizienzgründen kann falsches Beladen katastrophal sein. Das Wenden einer Zugmaschine ist zeitaufwendig oder sogar unmöglich in Einbahnstraßensystemen auf dem Werksgelände“, sagt Matthias Wurst, Leiter Business Development Industrial Logistics bei INFORM. „Um dem entgegenzuwirken, haben wir eine spezielle Logik in SYNCROTESS entwickelt, die den Transport von Zugmaschinen unter Berücksichtigung solcher Einschränkungen optimiert.“

Dieser Übergang unterstützt auch CLAAS dabei, seine Nachhaltigkeitsziele in der Produktionslogistik zu erreichen, wie die Reduzierung des Verkehrs und die Vermeidung von Fahrten mit dieselbetriebenen Gabelstaplern in den Produktionsbereichen. Für eine bessere Luftqualität am Arbeitsplatz und weniger Lärmbelästigung wurde die Fahrzeugflotte bereits größtenteils auf Elektroantrieb umgestellt. Das Transportsteuerungssystem steuert nur noch die verbleibenden dieselbetriebenen Transporte außerhalb der Werke.
Reaktion auf Störungen
Krankheit und Lieferengpässe gehören zum Alltag und können durch keine künstliche Intelligenz verhindert werden. Mit SYNCROTESS kann CLAAS jetzt jedoch viel besser auf Verzögerungen im internen Transport reagieren, sagt Lonnemann. „Der Versand kann manuell einzelnen Transporten eine höhere Priorität bei Engpässen zuweisen. Die Optimierungsalgorithmen des Systems planen dann automatisch die Reihenfolge auf der nächstgelegenen Ressource, sodass die Lieferung so schnell wie möglich erfolgt.“ Der Betrieb der Software in der Cloud bietet zudem entscheidende Vorteile bei Personalvertretungen, Urlaubszeiten oder Remote-Arbeitsmodellen. Nutzer können sich von überall aus über das Internet anmelden und sofort eine Echtzeitübersicht über die aktuelle Auftragslage in einer modernen Oberfläche erhalten. Das macht Übertragungen mühelos und reduziert die Fehleranfälligkeit.
„Die Zusammenarbeit mit INFORM war immer sehr gut“, fasst Lonnemann zusammen. „Während des Go-Live war unser Ansprechpartner stets an unserer Seite und hat uns aktiv vor Ort während der kritischen Phase unterstützt.“ Dadurch wurde nicht nur der Zeitplan eingehalten, sondern auch technische Unregelmäßigkeiten wurden schnell behoben. Nach nur wenigen Tagen initialer Schulung zu neuer Software und Hardware konnten die 45 Mitarbeiter der internen Transportabteilung den reibungslosen Betrieb wieder aufnehmen.“





