KI wird zum digitalen Kollegen der Logistik
Künstliche Intelligenz erreicht in der Logistik eine neue Entwicklungsstufe: Sie soll nicht länger nur Daten auswerten, sondern konkrete Arbeitsschritte im Transportbetrieb unterstützen. Bei Trimble Insight in Brüssel standen dabei Fahrermangel, volatile Märkte, Dekarbonisierung und fragmentierte IT-Landschaften im Mittelpunkt.
Trimble Arc wurde als vertikale KI-Lösung für die Zusammenarbeit mit bestehenden Transporeon-Anwendungen vorgestellt. Der Ansatz verbindet KI mit den Daten und Abläufen eines Logistikunternehmens. Mögliche Einsatzfelder sind die Analyse von Frachtraten, Empfehlungen für den Einkauf, eine bessere Fahrzeugauslastung und automatisierte Angebote von Frachtführern auf verfügbare Ladungen.

Automatisierung braucht eine Freigabe
Arc soll als digitaler Kollege Aufgaben vorbereiten oder ausführen können. Bei Entscheidungen mit unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen bleibt jedoch der Mensch eingebunden. Bevor etwa eine Frachtrate akzeptiert oder eine Transportvereinbarung ausgelöst wird, kann eine Bestätigung erforderlich sein. Nach Angaben des Anbieters werden Anwendungen zudem vor ihrer Bereitstellung intern auf Sicherheit geprüft.
Gerade kleinere Unternehmen könnten davon profitieren. Ein kleines Dispositionsteam kann den Spotmarkt nur begrenzt beobachten und gleichzeitig das Tagesgeschäft bewältigen. Eine KI-Unterstützung kann Angebote vorsortieren und Reaktionsmöglichkeiten sichtbar machen. Auf der Einkaufsseite lassen sich Preisober- und -untergrenzen definieren. So sollen Kosten kontrolliert werden, ohne Frachtführer mit nicht tragfähigen Raten aus dem Markt zu drängen.
Der nächste Sprung liegt in der Integration
Die größere Chance liegt nicht in isolierten Agenten, sondern in der Koordination über mehrere Anwendungen hinweg. Viele Mitarbeiter übertragen Informationen aus E-Mails, pflegen parallele Systeme und gleichen Datensätze ab. KI-Agenten könnten diese wiederkehrenden Tätigkeiten reduzieren. Ohne gemeinsame Datenbasis würden sie allerdings lediglich neue digitale Silos schaffen.

Die Voraussetzungen sind unterschiedlich. Digitale Vorreiter können KI in bestehende Kernprozesse integrieren, während andere Unternehmen zunächst Papierabläufe und Tabellen durch belastbare digitale Strukturen ersetzen müssen. Auch eine Prozessänderung ist notwendig: Die bloße Ergänzung unveränderter Arbeitsweisen um KI dürfte nur begrenzte Effekte bringen. Bessere Planung und das Bündeln von Sendungen können Auslastung und Ressourceneinsatz verbessern sowie unnötige Fahrten und Emissionen vermeiden. Der praktische Maßstab bleibt der messbare Nutzen – mit Menschen als Verantwortlichen für Ausnahmen, Beziehungen und Entscheidungen, die mehr als Daten erfordern.





