Der Brexit hat die Lieferketten zwischen Großbritannien und der EU nicht zerbrochen, sondern neu verdrahtet
Der zweite Abschnitt des Brexit zeigt, dass die Lieferketten zwischen Großbritannien und der EU überlebt haben, sich aber angepasst haben. Logistik muss sich weiterentwickeln, nicht nur wiederherstellen, schreibt Stephen Williams, Direktor und Mitbegründer, Fidelity Fulfilment (abgebildet mit Mitbegründer Simon Vincent).
Da Großbritannien und die EU eine neue Phase des Brexit betreten, sehen wir, dass dies eine tiefere Neubewertung erfordert, wie Logistik und Fulfillment tatsächlich grenzüberschreitend funktionieren.
In den letzten Jahren waren Unternehmen auf beiden Seiten des Kanals im reaktiven Modus, haben Lieferketten repariert, Störungen bekämpft und alles getan, um Waren in Bewegung zu halten. Aber wir sind jetzt über kurzfristige Lösungen hinaus. In vielerlei Hinsicht hat Brexit nicht nur die Logistik gestört, sondern sie grundlegend umgestaltet. Die Herausforderung besteht jetzt darin, nicht nur die alten Arbeitsweisen wiederherzustellen, sondern neue Modelle zu übernehmen, die die Realität eines strukturell veränderten Handelsumfelds widerspiegeln.
Ausgehend von meiner Erfahrung in den Fulfillment-Landschaften sowohl im Vereinigten Königreich als auch in der EU ist klar, dass diese Phase nicht nur eine Erholung ist, sondern eine grundlegende Weiterentwicklung.
Duale Lagerhaltung als neuer Standard
Einer der bedeutendsten Veränderungen, die wir gesehen haben, ist die weitverbreitete Einführung der dualen Lagerhaltung. Für Marken, die ernsthaft beide Märkte, das UK und die EU, bedienen wollen, ist der Betrieb separater Fulfillment-Einheiten mittlerweile Standard. Es mag nicht so schlank oder einfach sein wie vor Brexit, aber es ist schneller, konformer und reduziert erheblich die Reibungsverluste durch Zollverzögerungen, Mehrwertsteuerkomplexität und regulatorische Engpässe.
Bei Fidelity Fulfilment haben wir Marken dabei unterstützt, spiegelbildliche Infrastruktur über Grenzen hinweg aufzubauen. Das Ergebnis? Vorhersehbare Lieferzeiten, bessere Kundenzufriedenheit und größere operative Kontrolle. Das ist nicht nur eine Notlösung, sondern die Zukunft des grenzüberschreitenden Handels.
Das SPS-Abkommen als Wendepunkt im B2B
Das neue SPS-Abkommen könnte die bedeutendste Entwicklung im grenzüberschreitenden Logistikbereich seit dem Brexit selbst sein, insbesondere in regulierten Sektoren wie Lebensmitteln, Landwirtschaft und Pharmazeutika. Obwohl es noch in den Anfängen steckt, bietet dieses Abkommen das Potenzial für reduzierte Inspektionen, schnellere Freigaben und effizientere Compliance-Prozesse.
Für B2B-Betreiber – insbesondere solche, die mit hochsensiblen Waren arbeiten – könnte dies echte Effizienzgewinne bedeuten. Es erhöht jedoch auch die Anforderungen: Nur diejenigen mit robusten Rückverfolgbarkeitssystemen, digitaler Dokumentation und strenger Lieferkettenkontrolle werden diese Verbesserungen voll nutzen können.
Automatisierung ist keine Option mehr
Eine weitere große Veränderung ist, wie Technologie im Fulfillment eine zentrale Rolle spielt. Automatisierung im Zoll, intelligentes Bestandsmanagement und Echtzeit-Compliance-Tracking waren früher nette Zusatzfunktionen. Jetzt sind sie unerlässlich.
Anbieter, die große oder komplexe Sendungen verwalten, können ohne tief integrierte Systeme, die mit den ständig wechselnden Regeln und Verbraucheransprüchen Schritt halten, nicht konkurrieren. Wir haben stark in diese Bereiche investiert, nicht nur um Compliance zu gewährleisten, sondern um Skalierung zu ermöglichen. Technologie macht das Fulfillment nicht nur effizienter, sondern verwandelt es in einen Wachstumsmotor.
EU-Marken kehren zurück, aber mit Vorbehalten
Interessanterweise sehen wir, dass mehr EU-basierte Marken den britischen Markt wieder betreten. Nach dem anfänglichen Brexit-Schock haben viele pausiert oder sich ganz zurückgezogen. Jetzt, mit stabilisierten Systemen und klareren Marktzugängen, kehren sie zurück – allerdings mit einer neuen Sorgfalt.
Diese Marken konzentrieren sich stark auf Kosten-Nutzen-Analysen, insbesondere in margenarmen Kategorien. Das setzt Fulfillment-Anbieter unter Druck, mehr als nur Logistikpartner zu sein. Wir sollen Flexibilität, Geschwindigkeit und Transparenz liefern und gleichzeitig Kunden bei Risikomanagement und Margenschutz unterstützen. Das hebt die Messlatte, und langfristig ist das eine gute Entwicklung.
Fulfillment als strategischer Partner
Da der britische Fulfillment-Markt bis 2030 voraussichtlich mehr als verdoppelt wird, ist klar, dass Fulfillment nicht mehr nur eine Backend-Funktion ist. Es bestimmt, wie schnell Sie neue Märkte erschließen, wie gut Sie Ihre Kunden bedienen und wie widerstandsfähig Sie gegenüber zukünftigen Schocks sind.
Doch um dieses Potenzial freizusetzen, braucht es die richtige Art von Beziehung. Ein Fulfillment-Partner sollte nicht nur ein Dienstleister sein, sondern ein echter Kooperationspartner, kulturell auf Ihre Marke abgestimmt und gemeinsam an Problemlösungen interessiert. Während Technologie weiterhin wichtig ist (obwohl sie weniger differenzierend ist, da die meisten Anbieter aufholen), sind es die Unternehmen, die dieses strategischere, beziehungsorientierte Modell annehmen, die besser positioniert sind, um führend zu sein.
Der Brexit hat neue Linien auf der Landkarte gezogen, aber auch die Spielregeln neu geschrieben. Das nächste Kapitel wird nicht darum gehen, zur Normalität zurückzukehren – sondern darum, etwas Besseres aufzubauen, mit dem richtigen Partner an Ihrer Seite.





