Britische Unternehmen setzen auf KI – doch der Nutzen bleibt begrenzt
Britische Unternehmen bauen den Einsatz künstlicher Intelligenz aus, schöpfen deren Potenzial aber weniger aus als Firmen in sechs weiteren wichtigen Märkten. Das zeigt die zweite Welle des Infor-Index Enterprise AI Adoption Impact Index, für den mehr als 2.100 Führungskräfte und KI-Verantwortliche in sieben Ländern befragt wurden.
Für das Vereinigte Königreich meldeten die Teilnehmer im vergangenen Jahr einen durchschnittlichen Effizienzgewinn von 23 %. In Australien, Frankreich, Deutschland, Japan, Singapur und den USA lag der Vergleichswert bei 34 %. Das Problem ist damit weniger die Bereitschaft zur Einführung als die Umsetzung in den betrieblichen Alltag.

Der Einsatz nimmt zu, das Vertrauen nimmt ab
Der Anteil vollständig implementierter KI stieg in Großbritannien von 21,8 % auf 23,6 %. Werden teilweise eingeführte Anwendungen einbezogen, nutzen mehr als 60 % der Unternehmen KI in irgendeiner Form. Die Hälfte plant zudem höhere Investitionen in den kommenden zwölf Monaten.
Gleichzeitig sank das Vertrauen, eine Einführung ohne Beeinträchtigung des Betriebs zu steuern, von 75 % auf 66 %. Nur 6,3 % der Befragten fühlen sich wohl damit, autonome Agenten Prozesse von routinemäßig bis kritisch bearbeiten zu lassen. Zuvor waren es 11,7 %. Bei 53 % der britischen Unternehmen müssen KI-Ergebnisse weiterhin von Menschen geprüft werden.
Im Mittelpunkt stehen konkrete Aufgaben: weniger Zeit für Routinetätigkeiten, geringere Betriebskosten und automatisierte Arbeitsabläufe. 67 % der Befragten halten handelsübliche Standardlösungen jedoch für nicht ausreichend auf ihr Unternehmen oder ihre Branche zugeschnitten.
Datenbasis und Governance als Engpässe
Nur 62 % der britischen Unternehmen bewerten ihre Daten als ausreichend ausgereift und kontrolliert, um zuverlässige KI zu ermöglichen. Alte oder nicht verbundene Systeme erhöhten bei 24 % die Kosten für Integration und Vorbereitung; 22 % berichteten von Verzögerungen bei der Einführung.
Bei 14 % ist keine einzelne Person für Nutzung, Risiken und Compliance der KI verantwortlich. Regulatorische Unsicherheit nannten 28 %. Der Abstand zwischen kleinen und großen Unternehmen ist ebenfalls erheblich: 40 % der kleinen Firmen haben keinerlei KI-Einsatz, gegenüber 9 % der großen. Für Industrie, Handel und Logistik spricht dies für branchenspezifische Anwendungen mit nachvollziehbarer Governance und klarer menschlicher Verantwortung statt für nachträglich angepasste Universalwerkzeuge.




